Beginn der Besiedlung des Großen Wiesedermeeres

Die Besiedlung des Großen Wiesedermeeres begann fast vierzig Jahre später als die des Kleinen Wiesedermeeres, obwohl es mehr als ein Jahrhundert früher trockengelegt worden war. Der erste Kolonist, der sich in Groß-Wiesedermeer niederließ, war ein Behrend Wilken. Er kam mit seiner Familie aus Uthörn und baute das Stammhaus der Behrends-Familie.

Vom Staat erhielt jeder Kolonist für den Hausbau 25 Reichsthaler als Bauzuschuß. Wer von außerhalb Ostfrieslands hier herkam, erhielt sogar 40 Reichsthaler. Behrend Wilken ließ sich auch die Genehmigung geben, 100 Schafe zu halten. Als zweiter Kolonist baute sich Remmer Dirks aus dem Kleinen Wiesedermeer ein Haus in Groß-Wiesedermeer. Hier brauchte er für das ihm zugewiesene Land nur die Abgaben an den Staat zu bezahlen. Der dritte Kolonist war Johann Hinrich Tholen aus Stiekelkamperfehn. Dann folgten Heye Focken (Stammvater der Familie Focken), der Sohn von Focke Heyen aus Klein-Wiesedermeer, sowie sein Bruder Dirk Focken. Bis 1800 kamen noch Hinrich Jakobs aus Hatshausen und Otte Janssen aus Großefehn nach Groß-Wiesedermeer. Letzterer war der Stammvater der Familie Otten Dannemann. Nach und nach kamen immer mehr Siedler nach Groß-Wiesedermeer. Der Weg durch das Dorf über Rispelerhelmt nach Rispel, Wittmund und Jever wurde ausgebaut. Ebenfalls der Weg nach Upschört, der sogenannte ,,Nee Weg". Er führte weiter über Wiesede nach Friedeburg.

Somit wurde endlich der Weg fertig, den Sebastian Eberhard Ihering anlegen wollte. Die direkte Verbindung von Aurich über Wiesedermeer nach Friedeburg. Somit wurden Handel und Wandel für das Dorf besser. Im Kleinen Wiesedermeer wurde ein Schlagbaum neben dem Haus von Harm Otten (später Westerholt-Hinrichs> errichtet. Der Wegezoll war für die Erhaltung des Weges. Auch wurde in dem Haus eine Gastwirtschaft eingerichtet, damit die Leute von Friedeburg und Umgebung sich auf halber Strecke erholen konnten, wenn sie den weiten Weg nach Aurich mit ihren Tieren zum Markt zogen. Die Gastwirtschaft wurde noch bis zum 2. Weltkrieg betrieben.

Als um 1810 Ostfriesland zusammen mit dem Jeverland, der Herrlichkeit Kniphausen und Inhausen als Departement Nord einen Teil des ersten napoleonischen Kaiserreiches bildete, erließ der Präfekt in Aurich gemäß dem Code Civil, dem französischen Bürgerlichen Gesetzbuch, eine Verordnung, daß jeder Familienvater einen Familiennamen annehmen müsse, den er frei bestimmen könne. Von da ab an kann man die Familienstammbäume besser verfolgen. Die älteste Liste der Kolonatsbesitzer im Dorfe Wiesedermeer, eine Veranlagung für die Hannoversche Grundsteuer von 1810, enthält folgende Namen:

Groß-Wiesedermeer:

1. Gerd Brunen 10. Johann Heinrich Gellermann
2. Gerd Otten 11. Otte Janssen Dannemann
3. Erben Haschemeyer 12. Behrend Otten
4. Hinrich Jacobs 13. Johann Gerdes Bödeker
5. Heye Focken 14. Frerich Habben
6. Anton Carls 15. Johann Rösing
7. Lüke Behrends 16. Johann Hinrich Ahrnken
8. Remmer Dirks 17 Dirk Focken
9. Hinrich Behrends

Klein-Wiesedermeer:

18. Jann Jürgen Borries
19. Harm Otten Uden
20. Johann Behrend Henken
21. Harm Frerichs

Um diese Zeit kamen aus dem Oldenburgischen noch Siedler, die nebenbei auch ein Handwerk betrieben, z. B. als Schuster, Maurer oder Zimmerer. Johann Heinrich Gellermann richtete eine Gastwirtschaft ein (Kleihauer), dessen Sohn Dirk Gellermann später die Mühle baute. Nach 1812 errichtete ein Zacharias Sartonus den ersten Kramladen in Groß-Wiesedermeer. Von ihm erzählte man, daß er, um der Einberufung zum Feldzug Napoleons gegen Rußland zu entgehen, sich mit mehreren jungen Männern lange im wilden Hochmoor versteckt hielt. Das Dorf wurde beständig größer, denn die Söhne der ersten Siedler gründeten Familien, machten das Ödland urbar und ließen sich am ,,Neuen Weg" Kolonate ausmessen.