Noch um 1600 gab es in der Gegend des heutigen Dorfes Wiesedermeer nichts als zwei verschieden große und etwa ein Kilometer voneinander entfernte Meere inmitten von wüstem Hochmoor. Diese lagen nordwestlich des alten Geestdorfes Wiesede, wovon sie auch wohl den Namen hatten - das Große Wieseder Meer und das Kleine Wieseder Meer. Das Große Wieseder Meer wurde bereits in den Jahren 1618-1619 unter Leitung des Friedeburger Amtmanns Johann Stamler mit Hilfe eines Grabens durch das ,,Olle Moor (Upschört) zum Wieseder Tief hin entwässert. Das Kleine Wieseder Meer, ein abgelegener Hochmoorsee, wurde 1733 durch den Regierungsrat Sebastian Eberhard Ihering entwässert und trockengelegt. Da das Kleine Wieseder Meer höher lag als das Große Wieseder Meer, entwässerte er es durch das Große Wieseder Meer, das noch unbesiedelt war und dessen Boden scharfsandig und nur von Heidekraut bewachsen war.
Sebastian Eberhard Ihering entwässerte das Kleine Wieseder Meer auf eigene Kosten und ließ es sich dafür von der Regierung in Aurich in Erbpacht geben, um Kolonisten darauf anzusiedeln. 1739 kamen die ersten Siedler, Pollmann und Wessels, nach hier. Sie wohnten zuerst in Erdhütten. 1740 half ihnen Sebastian Eberhard Ihering, feste Häuser zu bauen, dazu gab er ihnen je ein Stück Land in Erbpacht. Er räumte ihnen aber sechs Freijahre ein. Ihren kärglichen Lebensunterhalt mußten sie sich durch Tagelohn beim Schlöten und Torfgraben im angrenzenden Hochmoor und beim Buchweizenanbau verdienen.
Am 1. Juni 1740 ließ der Kolonist Johann Wessels in Reepsholt eine Tochter taufen, welche zwei Tage zuvor geboren wurde. Pate war der Regierungsrat Sebastian Eberhard Ihering und die Frau des Regierungsrates. Dies ist im Kirchenbuch von Reepsholt mit einem Zusatz festgehalten, daß dieses das erste Kind aus Klein Wiesedermeer sei, das nach Reepsholt zur Taufe gebracht wurde.
Sebastian Eberhard Ihering legte dann auf eigene Kosten einen Weg von Brockzetel nach Klein-Wiesedermeer an. Er führte über das Hochmoor, dem sogenannten ,,Swart Weg", der heute, als Straße ausgebaut, noch durch das Moor führt. Beiderseits des Weges ließ er sich dafür Land von der Regierung zuweisen. Er verpachtete es wieder an Kolonisten auf der Geest, zum Torfgraben und Buchweizenanbau.
Nach 1740 folgten dann so nasse Jahre, daß die beiden Kolonisten wieder wegzogen. Es müssen dann aus Aurich-Oldendorf die ersten Siedler gekommen sein, denn im Kirchenbuch von Aurich-Oldendorf steht vermerkt, daß ein Heye Uden aus Wiesedermeer (Wüstemeer) am 22.9.1750 in Aurich-Oldendorf gestorben und beerdigt sei. Ebenfalls ein Dirk Dirks am 1.7.1752, auch aus Wiesedermeer. Anscheinend haben sie in den beiden von Ihering erbauten Häusern gewohnt. Es führte nämlich ein ziemlich fester Weg von Klein-Wiesedermeer über das Hochmoor nach Aurich-Oldendorf. Er verlief in südwestlicher Richtung über den späteren ,,Sandwaterweg", östlich des jetzigen ,,Schaafweges" in Marcardsmoor (daher der alte Name), weiter über Tunge, Moorlage nach Aurich-Oldendorf.
1752 werden die unkultivierten Ländereien von Wiesedermeer von allen Kanzeln Ostfrieslands aus öffentlich zur Pacht angeboten. Es meldeten sich jedoch keine Interessenten.
Im gleichen Jahr bereiste auf königlichem Befehl Departementsrat von Colomb die beiden Wieseder Meere zwecks Besiedlung. Er schreibt in seinem Bericht folgendes: ,,Das kleine und große Wieseder Meer müsse vor allem erst einmal besser entwässert werden. Ferner müsse eine bessere Zuwegung geschaffen werden, damit die Kolonisten ihren Torf auch nach Wittmund und Jever bringen könnten. Im Winter wären sie so weit vom nächsten Ort entfernt, daß sie keine Kirche besuchen könnten und die Kinder nicht zur Schule können." Er bedauerte die ersten Siedler hier im Kleinen Wiesedermeer, da sie im Winter alles von und nach den Häusern tragen müßten und sie kaum das Nötigste zum Leben hätten. Er könne keinen dazu anraten, sich in dieser Gegend anzusiedeln.