Die beiden Häuser standen bei der Einführung der Hausnummern auf dem ehemaligen Kolonat, das der bei Hausnummer 11 schon erwähnte Hinrich Jan Tobe Behrends gründete. Er starb im Jahre 1842, nachdem seine Frau Geesche Margaretha geb. Focken ihm 10 Jahre zuvor im Tode vorangegangen war. Sein Kolonat erbte das einzige Kind, das er hinterließ, seine Tochter Taalke Margaretha Behrends, die in der Nachbarschaft mit einem Zacharias Sartonus verheiratet war, von dem bei der nächsten Hausnummer weiter die Rede sein wird. Von dem Kolonat von Hinrich Behrends gingen die zwei Diemat 8 Quadratruten, die Hinrich Behrends von seinen Eltern als Abfindung erhalten hatte, an das Kolonat mit der Hausnummer 11 zurück. Den bei dem Hause liegenden Teil verkaufte die Tochter an die Staatliche Schulverwaltung in Aurich, für die das dortige Staatliche Bauamt ein der damaligen Zeit entsprechendes einfaches Schulgebäude errichtete. Nach dem Tode von Hinrich Behrends wurde vorläufig in seinem Hause Schule gehalten, bis das Schulgebäude fertig war.
Es
handelte sich um eine einklassige Volksschule mit einem Lehrer, für den das
einst von Hinrich Behrends gebaute Kolonistenhaus zu einem Wohnhaus für den
Lehrer umgebaut wurde mit einer kleinen Scheune unter dem gleichen Dach, da auf
dem verkauften Land nicht nur ein großer Garten, sondern auch eine kleine
Landwirtschaft betrieben werden konnte. Der erste Lehrer, der zuerst in dem
Kolonistenhause, nacher in dem neuen Schulgebäude unterrichtete, hieß Schmidt.
Sein Nachfolger war der Lehrer Gathemann. An ihn kann ich mich noch gut
erinnern, da ich als Junge mit dem ältesten Sohn Hero Gathemann befreundet war.
Lehrer Gathemann ließ sich später nach Wilhelmshaven versetzen, hauptsächlich
seiner vielen Kinder wegen, die dort bessere Schulverhältnisse vorfanden. Dann
kam in Wiesedermeer eine kurze lehrerlose Zeit, bis Lehrer Friedrich Janssen aus
Detern Lehrer in Wiesedermeer wurde. Da von Anfang an in der einen Schulklasse
auch die Kinder aus dem Nachbardorfe Rispelerhelmt in die Schule gingen, hatte
Lehrer Janssen bald 110 Kinder zu unterrichten. Aus Mangel an Plätzen musste
der sogenannte Halbtagsunterricht eingeführt werden. Das bedeutete, dass die
ersten vier Schülerjahrgänge vormittags und die älteren vier Jahrgänge
nachmittags unterrichtet wurden. Das hatte den Vorteil, dass die älteren Schüler
vormittags sich im Hause oder im Hochmoor beim Hüten der Beester nützlich
machen konnten.
Die Volksschullehrer wurden damals in Ostfriesland in der Weise ausgebildet, dass sie nach Absolvierung der Volksschule zunächst drei Jahre bei einem älteren erfahrenen Lehrer als Gehilfen arbeiteten, bei dem sie wie Kinder im Hause wohnten und verpflegt wurden. Dann besuchten sie weitere drei Jahre das Lehrerseminar in Aurich, wo sie bei Bürgern wohnten und verpflegt wurden. Sie gingen bei ihnen, wie man sagte, in Pension. Das Gehilfendasein und auch das freie Leben der Seminaristen endeten, als in Aurich eine Präparandenanstalt als Internatsschule gegründet worden war. Da mit der Wiesedermeerer Lehrerwohnung ein großer Garten und ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb verbunden waren und der Lehrer Janssen selbst den ganzen Tag vormittags und nachmittags Schule hielt, musste seine Frau den Garten und den landwirtschaftlichen Betrieb in die Hand nehmen.