Hausnummer 8: Behrend Behrends, Heinrich Lüken Behrends, Lüke Behrends

Es handelt sich hier um das ehemalige Kolonat Jacobs. Bei der Aufhebung der Besitzgemeinschaft,die nach dem Tode von Behrend Behrends erfolgte, fiel das Kolonat, um das es sich hier handelt, an Lüke Behrends Lüken, den jüngsten Sohn seiner Eltern Lüke Behrends und Trientje geb. Hinrichs. Er verheiratete sich mit Anke Habben, einer Tochter von Frerich Habben. Beide Eheleute machten vor einem Notar am 7. April 1886 ein gemeinschaftliches Testament. In ihm wurde ihr Sohn Lüke Behrends als Haupterbe eingesetzt. Sie setzten aber auch fest, daß dem Längstlebenden von ihnen der lebenslängliche unbeschränkte Nießbrauch an dem Nachlass zustehen sollte. Außer­dem wurden für die beiden Töchter Trientje und Taalke Behrends Legate von je 3000 Mark zu Lasten des Haupterben bestimmt. Lüke Behrends Lüken starb im Jahre 1894. Seine Ehefrau Anke Behrends geb. Habben überlebte ihn um Jahrzehnte. Sie wurde nachher im Dorfe allgemein Antjemö genannt. Natürlich fiel ihr der erwähnte lebens-längliche unbeschränkte Nießbrauch an dem ganzen Nachlaß zu. Ihr Sohn Lüke Beh­rends, der sich mit Geesche Maria Peeks aus Hohenesche verheiratete, drängte nun seine Mutter dauernd, auf dem für ihn sehr lästigen Nießbrauch zu verzichten. Nach einigem Sträuben erklärte sie sich mit dem Verzicht einverstanden. Sie gab vor einem Notar folgende Erklärung ab:

Ich, Witwe des Landwirts Lüke Behrends geb. Habben, habe laut wechselseitigen Testamentes den lebenslänglichen unbeschränkten Nießbrauch am ganzen Nachlaß. Auf Verlangen des Haupterben, meines Sohnes Lüke Behrends, leiste ich auf den Nießbrauch Verzicht, unter der Bedingung, daß er mir eine jährliche Abfindungssumme von 150 Mark zu zahlen sich verpflichtet. Selbstverständlich bleibe ich bis zu meinem Lebensende im Hause wohnen. Außerdem muß mir Beköstigung und Verpflegung gewährt werden.

Lüke Behrends bezahlte ein Jahr nach diesem Verzicht seiner Schwester Trientje geb.Behrends, die mit dem mit ihr in keiner Weise verwandten Landgebräucher Gerd Garrelt Behrends in Ihlowerfehn verheiratet war, ihr Legat aus. Sie gab ihm dann folgende Quittung:

Ich bekenne hiermit, die nach dem Testament meiner Eltern mir vermachten 3000 Mark durch die Abtretung einer Hypothek von 2400 Mark eingetragen auf den Grundstücken des Colonisten Gerd Eils Upt Beidemnas zu Upschört und 600 Mark bar erhalten zu haben.

Die andere Tochter Taalke war mit einem Schachtmeister Paul Demerius verheiratet. Die Ehewurde innerhalb des Jahres nach dem Verzicht der Witwe Behrends geb. Habben wegen Verschuldens des Ehemannes geschieden. Die Tochter Taalke Behrends zog mit ihren drei Kindern Bernhard, Reinhard und Paula, genannt Tini Demerius, zu ihrem Bruder Lüke Behrends, der seine Verwandten ordnungsgemäß unterhielt. Die Kinder wuchsen zusammen mit dem einzigen Sohn von Lüke Behrends, der Johann Behrends hieß, auf dem Hofe auf. Damit war natürlich das ursprünglich der Frau Demerius vermachte Legat von 3000 Mark erledigt.

<>Die Kinder Demerius hatten folgendes Schicksal. Bernhard war bei dem Salzhändler Timmermann in Wittmund angestellt. Als er eines Tages einen Sack Salz zu einem Kunden bringen wollte, wurde er von einem Kraftwagen tödlich überfahren. Rein­hard starb im Ersten Weltkriege in französischer Gefangenschaft an einer schweren Verwundung, die er vor der Gefangenschaft erlitt, in einem französischen Lazarett. Tini Demenus verheiratete sich in Wilhelmshaven mit einem Marineoffizier, mit dem sie nach seiner Pensionierung nach Wittmund zog. Hier habe ich sie eines Tages auf der Straße getroffen und dabei von dem Tode ihrer beiden Brüder erfahren. Der eheliche Sohn Johann Behrends wurde nach dem Tode seines Vaters Kolonatsbesitzer. Er war dreimal verheiratet. Die erste Frau Meta Harms aus Upschört starb im Jahre 1915. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter Mane Behrends, die sich mit dem Landwirt Rolf Hinrichs aus Wiesede in erster Ehe verheiratete. Sie hatten einen Sohn. In der zweiten Ehe ist sie mit Bertus Fechtmann aus Kirmeer verheiratet. Sie ist heute schon Großmutter mehrerer Enkel. Aus der zweiten Ehe von Johann Behrends mit Frieda Duden aus Jever, die geschieden wurde, stammt der Sohn Lüke Behrends, der nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1970 einen der größten Höfe im Dorfe besitzt. Er ist mit Mathilde Ihben aus Möns bei Leerhafe in zweiter Ehe verheiratet. Sie musste, solange die drei Kinder, die aus der Ehe hervorgingen, klein waren, in dem großen landwirtschaftlichen Betrieb tüchtig mitarbeiten. Den Haushalt führte und die Kinder beaufsichtigte die dritte Frau von Johann Behrends, Adele Fechtmann, die Schwester des vorhin genannten Bertus Fechtmann. Aus der dritten Ehe gingen zwei Töchter hervor. Von ihnen ist die Altere mit einem Kommunalbeamten in Hude bei Oldenburg verheiratet, während die Jüngere sich nächstens verheiratet. Johann Behrends war in seiner Jugend der beste Klootschießer in ganz Norddeutschland. Als er seinen 80. Geburtstag feierte, kamen alle Mitglieder des Vorstandes des ostfriesischen Klootschießerverbandes als Gratulanten nach Wiesedermeer. Drei Jahre darauf starb er.

Das Haus Nr. 8 heute. (Aufnahme im Jahr 2000 )