Hausnummer 9: Focke Heyen Focken

Die Familie Focken gehört zu den alten Familien im Dorfe Wiesedermeer, die sich in der Reihe der Kolonatsbesitzer in den meisten Generationen in ununterbrochener männlicher Linie bis auf den heutigen Tag fortgepflanzt haben. Bei der Familie Focken beträgt die Anzahl solcher Generationen sieben. Ebenso groß ist diese Anzahl im Dorfe nur noch bei der Familie Behrends zu finden. Bei der Familie Focken verteilen sich die sieben Generationen auf drei verschiedene Kolonate. Dies wird sich aus der nun folgenden Geschichte der Familie Focken ergeben. Die Stammeltern der Familie Focken sind der uns schon bekannte Focko Heyen und seine Ehefrau Anke Dirks, die beide um die Mitte der 50er Jahre des 18. Jahrhunderts aus Aurich-Oldendorf nach dem kleinen Wieseder Meere kamen und sich hier ansiedelten. Das war die erste Generation der Familie Focken im Dorfe Wiesedermeer. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und vier Töchter hervor, die im Laufe der Zeit alle das Elternhaus verließen. Der ältere der beiden Söhne, der Heye Focken hieß, gründete zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Kolonat im großen Wieseder Meer. Er verheiratete sich mit einer Schwester seines Nachbarn Hinrich Jacobs, die wie ihr Bruder aus dem Dorfe Hatshausen stammte. Sein Sohn und Kolonatserbe war der Focke Heyen Focken, zu dessen Lebzeiten das Kolonat die Hausnummer 9 erhielt. Er war mit einer geborenen Post aus Wiesede verheiratet. Sein Nachfolger im Kolonatsbesitz war sein Sohn, der wie der Großvater Heye Focken hieß. Er war mit Ette Antje Riekers Habben aus Middels-Osterloog verheiratet. Beide hatten vier Söhne, die dem Alter nach Gerd, Focke Heinrich, Siebelt und Johann Focken hießen. Den jüngsten Sohn Johann Focken habe ich in meiner Jugend noch persönlich beim Viehhüten im Hochmoor kennengelernt. Er wanderte später in die USA aus, wo er im Staate Iowa eine Farm und eine Familie gründete. Von Amerika aus blieb er dauernd mit seinen Geschwistern in brieflicher Verbindung. Der dritte Sohn Siebelt Focken erwarb in Collrungermoor ein Kolonat. Erbe des väterlichen Kolonats wurde der älteste Sohn Gerd Focken. Er verheiratete sich mit Theda Bohlsen, genannt Tzetze, aus Stiekelkamp. Sie hatten drei Söhne und fünf Töchter. Die Söhne hießen Heinrich, Georg und Siebelt Focken. Heinrich Focken lebte von 1900 bis 1940. Er fiel im Zweiten Weltkrieg. Er war zweimal verheiratet, zuerst mit Gerhardine Badberg aus Müggen­krug, dann mit Catharine Ehlebracht aus Rispelerhelmt. Aus der ersten Ehe stammt Lina Focken, die sich mit dem Femfahrer Remmer Schrage aus Upschört verheiratete. Aus der Ehe gingen Kinder hervor. Aus der zweiten Ehe stammt der Sohn Adelbert Focken. Er erbte das Kolonat, das sein Vater Heinrich Focken auf dem auf Wiesedermeerer Gebiet gelegenen Herrenmoor gegründet hatte, das seinen Namen daher erhielt, daß die Landesherrschaft von Jever hier einst ihr eigenes Torfmoor hatte. So kam es, daß im Herrenmoor die beiden letzten der oben erwähnten sieben Generationen zu Kolonatsbesitzern wurden. Adelbert Focken ist mit Grete Behneken verheiratet. Sie haben drei Söhne. Es ist daher mit Sicherheit anzunehmen, daß die Familie Focken sich in Wiesedermeer weiterhin mit Kolonatsbesitzern fortpflanzt.

Der zweite Sohn von Gerd Focken hieß Georg Focken. Er wanderte mit seiner Schwester Anna Focken in die USA aus. Beide besuchten zunächst ihren Onkel Johann in Iowa und hofften, daß er ihnen helfen würde, in Amerika Fuß zu fassen. In dieser Hoffnung täuschten sie sich nicht. Beide leben heute noch im Staate Iowa. Georg Focken heiratete Hanna Lürkens und Anna Focken Wilhelm Helgen. Anna hat zwei Kinder, Georg hatte eine Tochter, die früh starb.

Der Sohn Siebelt Focken sollte nach dem Willen seines Vaters Gerd Focken das Kolonat erben. Der Vater mußte aber, bevor Siebelt Focken erwachsen war, sein Kolonat wegen pekuniärer Schwierigkeiten verkaufen. Käufer war Gerhard Gellermann aus Wiesede. Dieser starb im Jahre 1961. Das Kolonat erbte sein Sohn Harro, der es heute noch bewirtschaftet. Gerd Focken behielt einen kleinen Teil seines Kolonats für sich. Auf diesem erbaute er sich in der Nähe des alten Hofes ein Haus, von dem aus er mit seinem Sohn Siebelt das zugehörige Land bewirtschaftete. Gerd Focken starb im Jahre 1947 im Alter von 72 Jahren. Seine Frau überlebte ihn bis 1960.

Siebelt Focken verheiratete sich mit Mane Bohlken aus Collrungermoor. Aus dieser Ehe gingen 2 Kinder hervor, ein Sohn Siebelt Focken und eine Tochter Emma. Siebelt Focken jun. heiratete Eline Bockhoff. Sie haben einen Sohn und eine Tochter. Als Sie­belt Focken sen. das Rentenalter erreicht hatte, gab er die kleine Landwirtschaft auf. Vater und Sohn erbauten sich neben dem alten, von Gerd Focken gebauten Haus ein neues Wohnhaus. Tochter Emma heiratete Hermann Tjarks aus Langstraße. Sie haben 5 Kinder.

Von den fünf Töchtern des Gerd Focken und der Tzetze geb. Bohlsen wanderte Anna in die USA aus, was oben schon erwähnt wurde. Johanne Focken verheiratete sich mit dem Rendanten der Raiffeisenkasse in Wiesedermeer Erich Bohlken aus Collrungermoor, einem Bruder der Marie Bohlken, der Gattin des Bruders Siebelt Focken. Von ihren beiden Kindern starb der Sohn im Kindesalter. Die Tochter Erika verheiratete sich mit Manfred Huismann. Sie haben einen Sohn und eine Tochter. Gerhardine Focken war mit Hinrich Schoon in Müggenkrug verheiratet. Sie hatten zwei Söhne. Gesine Focken war mit Lammert Ideus in Marcardsmoor verheiratet. Sie haben fünf Kinder. Die Tochter Christine Focken war verheiratet mit Gerd Janssen Freese. Die­ses Ehepaar traf der schwere Schicksalsschlag, daß ihre drei Kinder vor ihnen unverheiratet starben.

Übrig bleibt noch der zweite Sohn von Heye Focken und Ette Antje Rickers Habben, Focke Heinrich Focken. Er war lange Zeit landwirtschaftlicher Arbeiter. Er half zu­nächst seinem Bruder Gerd Focken in der Landwirtschaft. Nachdem er sich aber mit Taalke Maria Gerdes aus Wallinghausen verheiratet hatte, nahm er Arbeit an bei Gerd Otten Dannemann, dem Kolonatsbesitzer aus dem Hause Nr.5. Sein Vater kaufte bei dem Wegzuge des Vorbesitzers Albert Harms das Kolonat mit dem Hause Nr.7. In diesem Haus fand Focke Heinrich Focken mit seiner Frau Unterkunft. Hier wurden ihnen sieben Kinder geboren, drei Söhne und vier Töchter. Alle drei Söhne fielen im Zweiten Weltkriege. Von ihnen war nur Ede Focken verheiratet gewesen, und zwar mit Martha Logemann, einer Tochter von Eduard Logemann in Marcardsmoor und Helene geborene Hinrichs aus Rispelerhelmt. Aus der Ehe von Ede Focken und Martha Logemann ging die Tochter Else Focken hervor. Sie verheiratete sich mit Heiko Kley­hauer, Gastwirt und Briefträger. Von ihm wird später noch die Rede sein. Die vier Töchter von Focke Heinrich Focken verheirateten sich alle. Sie hießen Anna, Heinrike, Margarethe und Gesine. Anna Focken verheiratete sich mit Johann Hüls aus Marcardsmoor. Heinrike war verheiratet mit dem Verwalter einer Molkerei in der Nähe der Stadt Weener, der Paul Schneider hieß. Er fiel im Zweiten Weltkrieg. Da seine Frau auch im Molkereiwesen ausgebildet worden war, konnte sie als Witwe den Betrieb fortführen. Margarethe Focken ist mit dem Landwirt Folkers in Wiesmoor verheiratet, und Gesine Focken heiratete Gottfried Stauffer, einen gebürtigen Schweizer. Alle Töchter haben Kinder, außer Heinrike.

Focke Heinrich Focken verlor im Ersten Weltkrieg ein Bein, das durch eine Prothese ersetzt wurde. Er konnte sich nun nicht mehr als landwirtschaftlicher Arbeiter betätigen. Da er von seinem Bruder Gerd als Abfindung am Weg nach Kleinwiesedermeer ein Stück Land erhalten hatte, baute er sich im Jahre 1927 darauf ein Haus, das die Haus-Nr. 56 erhielt. Es wird jetzt von der Tochter Gesine mit ihrem Ehemann Gottfried Stauffer und ihrem Sohne bewohnt. Die Tochter Heinrike Focken erbaute 1952 neben dem Hause ihres Vaters ein modernes Wohnhaus mit der Haus Nr.107. Darin wohnten ihre Eltern, bis ihr Vater 1957 und ihre Mutter 1958 verstarben. Jetzt wohnen in ihrem Haus die Tochter von Gesine und Gottfried Stauffer Annemarie mit ihrem Mann, dem Bankfachmann Johann Eilers aus Wiesmoor, und ihrem Sohn.