Die Nachwirkungen des 2. Weltkrieges
So glimpflich, wie wir im Krieg von Zerstörungen verschont geblieben waren, denn die Brückensprengung in Marcardsmoor war das letzte am 8. Mai 1945, so traf es uns nach der Kapitulation so viel schwerer. Alles nördlich vom Ems-Jade-Kanal war lnternierungsgebiet für ausländische Soldaten, die auf deutscher Seite gekämpft hatten und hier auf ihre Entlassung warten mußten. So lagen in Brockzetel 6000 Russen (Wlassowarmee) und da die Verpflegung sehr knapp war, holten sie sich das Vieh von der Weide und Schafe, Schweine und Hühner aus dem Stall, wenn nicht alles gut verriegelt war. Die Kartoffeln brauchten wir im Herbst 1945 gar nicht zu roden und zu ernten, die waren schon alle ausgebuddelt. In den Scheunen hier im Dorf waren die ungarischen Honvedverbände einquartiert. Auch die waren auf zusätzliche Verpflegung angewiesen Doch sie haben uns oft vor den Überfallen der Russen bewahrt. Viele Ungarn haben versucht, in Zivilkleidung über den Ems-Jade-Kanal zu gelangen, um so illegal in ihre Heimat zu kommen. Nach den Ungarn kamen noch Österreicher nach hier bis zum Frühjahr 1946. In dieser Zeit bis zur Währungsreform im Juni 1948 blühte der Schwarzhandel, das Geld hatte fast keinen Wert mehr Nur wer englische Zigaretten, Lebensmittel wie Speck, Butter, Eier usw. zum Tauschen hatte, konnte noch illegal etwas bekommen. Am schlechtesten konnte man Schuhe, insbesondere Arbeitsschuhe bekommen. So kamen die guten alten Holzschuhe wieder in Ehren. Erlen- und Lindenstämme wurden geschlagen und das Holz zum Holzschuhmacher gebracht. Man wurde schon erfinderisch, und man lernte wieder Buttern, Brotbacken, Spinnen, Schneidern, und es wurde auch schwarzgeschlachtet, ja, sogar Schnaps wurde zuerst aus Zuckerrüben, die man eigentlich für Sirup angebaut hatte, gebrannt. Später wurde auch aus Roggen gebrannt. Die Rezepte dazu brachten einige Flüchtlinge aus dem Osten mit. Viele Flüchtlinge wurden in den Nachkriegsjahren in unser Dorf eingewiesen, die alles hatten verlassen müssen und deren Unterkunft hier oft sehr dürftig war.
Mehrere der Flüchtlinge sind hier seßhaft geworden, andere sind weitergezogen in die Industriegebiete. Erst als die Währungsreform kam und jeder Mensch nur 60 DM sein eigen nannte, normalisierte sich das Leben wieder, und das Geld hatte wieder einen Wert.
Erster Nachkriegsbürgermeister war Adolf von Heimburg. Das erste Protokoll nach dem Krieg wurde von ihm am 30.3.1946 geschrieben, von der außerordentlichen Gemeinderatssitzung im mündlichen Auftrag des Majors Masay der Allierten-Militärregierung in Wittmund. Ende 1946 wurde Theodor de Wall neuer Bürgermeister, der krankheitshalber sein Amt bald wieder niederlegte. Ende 1947 wurde dann Gerd de Wall neuer Bürgermeister. Nach einem Amtsjahr wurde Fritz Tjarks der Bürgermeister von Wiesedermeer. In seiner Amtszeit wurden Gemeindeländereien verkauft, um feste Gemeindestraßen zu bauen. Ab 1955 übernahm Rolf Hinrichs die Geschicke unserer Gemeinde als Bürgermeister.
Antke Dannemann