Mit der schulischen Betreuung für die Kinder des Dorfes war es bis dahin sehr schlecht bestellt. Entweder mußten sie im Winter bei Pflegeeltern oder Verwandten in Aurich-Oldendorf, Reepsholt oder Leerhafe bleiben, wo auch nur im Winter ganztägig Schulunterricht war. Im Sommer war sowieso kein Unterricht, weil die größeren Kinder alle in der Landwirtschaft oder beim Torfgraben und bearbeiten helfen mußten. Die Jüngeren mußten das Vieh im Hochmoor hüten, denn Weideland war zu der Zeit sehr knapp. Oder wenn sie einen Lehrer fanden, für ein geringes Entgelt, der dann im Winter reihum gehen mußte, um in den Kolonistenhäusern Unterricht zu geben, im einfachen Schreiben, Lesen und Rechnen. Dafür bekam er seine Mahlzeiten, den sogenannten Reihetisch.
Es war schon eine Bereicherung für das Dorf, als im Hause von Hinrich Behrends eine Schulstube eingerichtet wurde und sich der Handlungsreisende Wilhelm Haarberg hier als Lehrer niederließ. Er ließ sich auch ein Kolonat zuweisen, welches er jedoch wieder verkaufen mußte. Die Tochter von Hinrich Behrends verkaufte ein Stück ihres Kolonats an die Staatliche Schulverwaltung in Aurich, die darauf ein der damaligen Zeit entsprechendes einfaches Schulgebäude errichtete. Gegen Deputat (Nahrungsmittel) und einen Hungerlohn, wie es später hieß, hat ein Lehrer Schmidt 45 Jahre die Schule in Wiesedermeer geleitet. Von ihm wurden viele Anekdoten im Dorf erzählt. Er starb 1890. Nachdem er das Schulhaus für den neuen Lehrer Gatermann räumen mußte, baute er sich ein kleines Häuschen oder eine Hütte am Wall. Als dann 1888 der große Schneesturm über Ostfriesland brauste, mit drei Tagen und Nächten Schneefall, hätten die Nachbarn seine Behausung fast nicht wiedergefunden. Nur am Rauch aus dem Schornstein sei es erkenntlich gewesen, und sie hätten den alten Mann aus seinem Schneeberg befreit.
Die weite Entfernung von hier nach Reepsholt zur Kirche brachte in damaliger Zeit viele Nachteile mit sich. Alles mußte zu Fuß gehen oder man machte Fahrgemeinschaften mit Pferd und Ackerwagen zur Kirche. Da viele im Ort nur Ochsengespanne hatten für die Arbeit, mußten die Kolonisten, die Pferde besaßen, oft den schlechten Weg nach Reepsholt fahren. So wurden z.B. bei Beerdigungen immer drei Gespanne gebraucht. Eins mußte den Pfarrer holen und zurückbringen, das zweite Gespann für den Leichenwagen und das dritte für die nächsten Angehörigen zur Beerdigung nach Reepsholt. Vor der Trauerandacht hatten die Einwohner von hier dann Gelegenheit, ihre Kinder taufen zu lassen, um für die Kleinen den weiten Weg nach Reepsholt zu ersparen.