Die letzten Jahre als selbständige Gemeinde vor der Gebietsreform
Der südwestliche Teil der Gemeinde Friedeburg ist die jetzige Ortschaft Wiesedermeer. Wiesedermeer ist ein ländliches Dorf und wird größtenteils landwirtschaftlich genutzt und ist 1123 ha groß. Hier ist noch eine selbständige Molkerei in Betrieb. Außerdem noch eine Raiffeisenbank mit Bezugs- und Absatzgenossenschaft. Ferner noch der VeGe-Markt Enninga, der Friseursalon Siefken und eine Gastwirtschaft. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist das Wasserwerk des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes mit den zwei 20 m hohen Wasserbehältern.Im Jahre 1955 starb der damalige Bürgermeister, Standesbeamte und Kassenführer Friedrich Tjarks. Der Gemeinderat stand vor der schweren Aufgabe, diese Ehrenämter neu zu besetzen. Nach langen Verhandlungen wurde Rolf Hinrichs (Klein-Wiesedermeer) zum Bürgermeister, außerdem zum ehrenamtlichen Gemeindedirektor und zum Standesbeamten gewählt. Dieses war für ihn eine große Belastung, weil ohne Schreibhilfe und ohne Vorschulung die gesamten anfallenden Verwaltungsaufgaben erledigt werden mußten. Zum Kassenführer wurde Martin Lambertus gewählt. Es gab im kommunalen Bereich sehr viel zu tun, weil im Kriege und in den Nachkriegsjahren wegen Mangels an Geldmitteln nur das Notwendigste gemacht worden war.
Die Gemeinde Wiesedermeer hatte damals noch eine eigene selbständige Schule, die von der Gemeinde unterhalten werden mußte. Der Gemeinderat beschloß, auf diesem Gebiet zunächst tätig zu werden. Die Junglehrer waren mit den veralteten Lehrerdienstwohnungen unzufrieden, die Klassenräume waren vollkommen veraltet, ordentliche Toilettenräume waren nicht vorhanden. Der Gemeinderat war einstimmig der Meinung, daß für unsere Kinder zunächst gesorgt werden müsse.
Eine Lehrerdienstwohnung wurde neu gebaut, die Oberwohnung in der Volksschule erneuert, neue Toilettenanlagen wurden errichtet und die Klassenräume modernisiert. Nach der Durchführung dieser Maßnahmen hatten wir in Wiesedermeer keinen Mangel mehr an Lehrern.
Im Jahre 1956 kam noch folgende große Aufgabe auf den Gemeinderat zu: Das Kriegerdenkmal des 1. Weltkrieges stand genau dort, wo die Radarstraße in die Landesstraße Rispel - Wiesmoor einmünden sollte. Das Ehrenmal mußte versetzt werden. In der außerordentlichen Gemeinderatssitzung wurde folgender Beschluß gefaßt: Das Denkmal soll mit dem Kriegerdenkmal beim Hause Behrends verbunden werden.
Dieses war eine einmalige Leistung, wenn man bedenkt, daß der Findling 400 Zentner schwer ist. Die Firma Franke aus Oldenburg erklärte sich bereit, diese schwierige Arbeit anzunehmen.
Nach wochenlanger tatkräftiger Mithilfe der Bürger der Gemeinde Wiesedermeer ist es der Firma Franke gelungen, den schweren Stein auf das alte Ehrenmal zu stellen und anschließend als Denkmal für beide Weltkriege herzurichten
Im Jahr 1961 mußten wieder einmal die Gemeinderäte und Kreistage neu gewählt werden. In der Gemeinde Wiesedermeer war man sich anscheinend einig. Es wurde nur eine Liste der Wählergemeinschaft mit nur neun Kandidaten als Bewerber für den Gemeinderat aufgestellt. Dieses war genau die Anzahl der Ratsherren, die in den Gemeinderat gewählt werden konnte. Die Wahl wurde ohne Beanstandung durchgeführt.
In der ersten Sitzung der damaligen von der Gemeinde gewählten Ratsherren entstanden Streitigkeiten wegen der Wahl des Bürgermeisters. In mehreren Sitzungen kam es soweit, daß fünf Kandidaten ihren Rücktritt erklärten. Nachrückende Ersatzkandidaten gab es nicht, weil bei der Wahl nur neun Mann kandidiert hatten und gewählt worden waren. Der Gemeinderat war mit vier Ratsherren nicht beschlußfähig. Es mußten laut Gesetz Neuwahlen durchgeführt werden.
Beim zweiten Wahlgang wurden zwei Listen mit mehreren Bewerbern aufgestellt, die die Namen ,,Einigkeit" und ,,Gemeindewohl" trugen. In der ersten Sitzung des neugewählten Gemeinderats wurde Rolf Hinrichs wieder zum Bürgermeister gewählt. Dieses Amt hat er bis zur Gemeindereform verwaltet.
In der Gemeinde Wiesedermeer war bis zum Jahre 1955 nur eine Straße vorhanden, das war die Landesstraße 12 von Rispel nach Wiesmoor. Die übrigen Gemeindewege waren nur Sand- und Moorwege, welche von der Gemeinde unterhalten werden mußten. Im Jahre 1956 wurde die Straße von Brockzetel nach Wiesedermeer vom Land Niedersachsen neu gebaut und zur Landesstraße aufgestuft. Das übrige Wegenetz wurde von der Gemeinde im Laufe der Jahre fast vollständig straßenmäßig als Teerstraßen und Betonformsteinstraßen ausgebaut.
Wir wollen jedoch nicht vergessen, daß bei all diesen Straßenbaumaßnahmen der Landkreis Wittmund uns finanziell stets unterstützt hat.
Vom Landkreis Wittmund wurde in den Jahren 1969/1970 die ehemalige Gemeindestraße von Wiesedermeer nach Reepsholt neu ausgebaut und zur Kreisstraße aufgestuft.
Am 16. August 1972 trat das Gesetz der Gemeindereform in Kraft. Die Selbständigkeit der Gemeinde Wiesedermeer war mit diesem Tage vorbei. Die Gemeinde Wiesedermeer wurde zur Ortschaft Wiesedermeer degradiert und der Einheitsgemeinde Friedeburg zugeordnet. Von unseren Bürgern wurde dieses Gesetz zunächst nicht anerkannt, weil der größte Teil der Verwaltungsarbeiten vom Büro der Einheitsgemeinde in Friedeburg erledigt wird und die Entfernung von Wiesedermeer nach Friedeburg etwa 13 km beträgt. Jedoch im Laufe der Jahre hat man sich auch daran gewöhnt.
Im Zuge der Gemeindereform wurde auch die Schulreform durchgeführt. Die Volksschule Wiesedermeer wurde geschlossen. Die Kinder der ersten vier Jahrgänge wurden in die Grundschule in Reepsholt eingeschult. Die übrigen Jahrgänge wurden in Friedeburg unterrichtet. In dem Schulgebäude in Wiesedermeer wurde ein kirchlicher Kinderspielkreis eingerichtet.
In Klein-Wiesedermeer an der Grenze des Kreises Aurich liegen etwa 96 ha unkultivierte Moorflächen. Eigentümer dieser Fläche ist größtenteils das Land Niedersachsen. Ein kleiner Teil ist im Eigentum der Gemeinde. In diesem Gebiet wurden bis in die 70er Jahre Torf per Hand gegraben. Die einzelnen Torfstiche wurden von der Moorverwaltung und von der Gemeinde pfandweise jährlich verkauft.
Im Laufe der Jahre setzten sich die Ölfeuerungsanlagen immer mehr durch. Die Torfgräberei ging aufgrund dessen langsam zu Ende. Die gesamte unkultivierte
Fläche ist seitdem Landschaftsschutzgebiet. Die Entwässerung wurde unterbunden. Man denkt, daß in einigen Tausend Jahren hier wieder Moor gewachsen ist.
Leider werden in dem Gebiet die schönen blühenden Heideflächen immer kleiner. Vor einigen Jahren wurden von Imkern zur Zeit der Heideblüte zahlreiche Bienenvölker aufgestellt, um den wertvollen Heidehonig zu sammeln. Der Grund, weshalb die Heide hier nicht mehr so gut wächst, ist nicht bekannt.
In diesem Gebiet trifft man während der Urlaubszeit sehr viele Spaziergänger, die hier Ruhe und Erholung suchen. Es wäre wünschenswert, wenn dort einige Ruhebänke von der Gemeinde aufgestellt werden würden.
Rolf Hinrichs