Die Steine von Wiesedermeer

Von den Natursteinen geht seit jeher eine besondere Faszination aus. Dies gilt nicht nur für die kleinen kostenträchtigen Steine aus dem Juwelierladen, sondern auch die ,,steinalten" Findlinge, Zeugen der Eiszeit, sind bei den Einwohnern Norddeutschlands seit Jahrhunderten beliebt.

Bei einer Wanderung durch die Gemeinde Friedeburg begegnen wir dem Sonnenstein in Horsten, betrachten das Steingrab in Etzel / Stapelstein, stehen vor der Steinsetzung ,,Hunt" bei Marx und ruhen uns aus bei der alten steinernen Wegmarkierung ,,0ll Gries" westlich von Reepsholt. Besinnliche Einkehr halten wir in den alten Steinkirchen von Horsten, Etzel, Marx und Reepsholt. Große und kleine Feldsteine fanden Verwendung bei gemeindlichen Gedenkstätten, Ehrenhainen und Denkmälern.

Auch auf dem Boden des trockengelegten Großen Wieseder Meeres fanden die Siedler zwei große Findlinge, die später für das Dorf Wiesedermeer größere Bedeutung haben sollten. Der größere Stein lag um die Jahrhundertwende auf einem Ackergrundstück des Landwirts Heinrich Behrends, der kleinere Findling unweit der Grenze zur heutigen Ortschaft Upschört. Im Jahre 1924 wurde der große und 400 Zentner schwere Stein ausgegraben und von Pferden gezogen zur Gedenkstätte in unmittelbarer Nähe der Gastwirtschaft Kleihauer gebracht. Nachdem der Landwirt Heiko Gerhard Kleihauer kostenlos einen Platz zur Verfügung gestellt hatte und der Stein mit einer Beschriftung versehen war, fand am 28.6.1925 die Denkmalseinweihung für die neun im 1. Weltkrieg gefallenen Wiesedermeerer Soldaten statt.

Die Folgen des 2. Weltkrieges machten es notwendig, auch der 38 gefallenen oder an Kriegswunden gestorbenen Einwohner zu gedenken. Mit einem erheblichen Kraft- und Maschinenaufwand wurde der Gedenkstein zu seinem neuen und jetzigen Platz transportiert. Hinzu kam noch der kleine Findling, der auf seiner Vorderseite die Namen der Veteranen aus den Kriegen von 1866 und 1870/71 trägt. Am 1. Juli 1956 konnte die neue Gedenkstätte von der Bevölkerung eingeweiht werden.

 

1914-18
1939-45
DEN TOTEN ZUR EHRE – DEN
LEBENDEN ZUR MAHNUNG

Namen der Gefallenen:

1866, 1870/71:

Dienstgrad

Name

Vorname

Todesdatu

Bemerkungen

Unteroffz.

BEHRENDS

H.

1870-71

 

Grenad.

BÖRJETS

J.

1870-71

 

Füs.

FOCKEN

J.

1870-71

 

Musk.

JANSSEN

R.

1870-71

gefallen

Füs.

LOGEMANN

H.

1870-71

 

Füs.

RODICK

H.

1870-71

 

Musk.

WESTERHOLT

J.

1866

 

Trains.

WESTERHOLT

T.

1870-71

gefallen

1. Weltkrieg:

Name

Vorname

Geburtsdatum

Todesdatum

DANNEMANN

Hinrich

22.05.1888

22.10.1914

FÜRST

Hinrich

03.07.1892

22.05.1917

GROSS

Jakob

17.01.1895

22.04.1915

HÜLTS

Johannes

11.12.1893

31.07.1915

HÜLTS

Hinrich

16.06.1890

10.04.1915

JANßEN

Harm

03.07.1890

03.02.1916

LOGEMANN

Georg

08.09.1892

19.10.1918

WEERS

Martin

15.06.1891

01.03.1915

WILKEN

Harm

16.06.1886

08.08.1916

2. Weltkrieg:

Name

Vorname

Geburtsdatum

Todesdatum

BEHRENDS

Habbe

21.05.1905

22.04.1945

BEHRENDS

Hermann

18.03.1922

10.02.1945

BRUNEN

Georg

06.01.1923

26.12.1942

BUHR

Hinrich

17.05.1922

03.12.1942

CLAASSEN

Theodor

19.05.1912

21.06.1944

DANNEMANN

Johann

14.09.1922

28.01.1943

DAVID

Jakob

28.09.1921

19.08.1942

DECKER

Dirk

15.07.1909

29.01.1945

ELSMANN

Heinz

08.04.1921

11.07.1942

FLICK

Georg

21.03.1922

03.04.1942

FOCKEN

Diedrich

30.08.1918

18.06.1940

FOCKEN

Heye

21.10.1910

14.12.1944

FOCKEN

Heinrich

14.09.1900

09.07.1944

FOCKEN

Ede

05.02.1913

29.01.1942

FREESE

Frerich

10.02.1925

05.05.1944

FÜRST

Hinrich

24.11.1919

07.02.1945

GARRELS

Reinhard

27.01.1912

21.12.1944

GELLERMANN

B.

31.01.1922

20.03.1945

GERDES

Heinrich

17.06.1906

27.07.1943

GÖTZ

Friedrich

16.02.1909

27.11.1945

GROSS

Hinrich

23.08.1900

09.07.1942

GROSS

Reinhard

04.06.1903

28.08.1945

HABBEN

Johann

30.01.1917

09.09.1944

HABBEN

Hermann

08.11.1924

13.10.1944

HABBEN

Helmerich

22.05.1927

09.04.1945

HAREN

Herbert

06.07.1910

31.01.1942

HARMS

Ernst

13.02.1906

29.12.1942

HEIMBURG

A. von

07.01.1908

08.08.1942

JANSSEN

Theodor

03.02.1921

10.09.1942

JANSSEN

Johann

13.12.1923

30.06.1943

JANSSEN

Heinrich

19.08.1908

15.04.1945

LOGEMANN

Karl

17.02.1913

12.05.1942

ONKEN

Jann

10.05.1910

01.11.1944

OTTEN

Theodor

12.05.1921

10.03.1944

SCHNEIDER

Paul

10.07.1913

27.03.1945

THADEN

Bernhard

24.06.1912

04.09.1942

TJARKS

Johann

28.10.1919

27.08.1941

WILKEN

Johann

14.07.1923

11.02.1944

Einen neuen Meilenstein in der Geschichte des Dorfes Wiesedermeer setzte der Arbeitskreis zur Vorbereitung des 250jährigen Ortsjubiläums im Jahr 1989. Den ersten Kolonisten und ihren Nachfahren sollte ein Denkmal gesetzt werden. Die älteren Dorfbewohner des Ortsteiles Klein-Wiesedermeer erinnerten sich daran, dass noch vor 30 Jahren in den Niederungen dieses Gebietes Schlittschuhläufer in der Frostperiode auf einem großen Findling verschnaufen konnten. Dieser Stein war sogar mit einem riesengroßen (ca. 60 cm breiten und 40 cm hohen) eingemeißelten Herz versehen, den ein unbekannter Steinbildhauer seiner Nachwelt oder seiner Herzensdame gewidmet hatte. Es wird vermutet, dass ein von Langeweile geplagter Hirtenjunge beim Schafehüten sich hier verewigt hat.

Den Findling hatte man 1959 absacken lassen, um den Ackerboden besser bewirtschaften zu können. Die tage- und wochenlange Suche nach dem nicht mehr sichtbaren Stein hatte im Januar 1989 Erfolg. Mit Hilfe eines Baggers fand Gerd Tammen den 10 t schweren Findling 80 cm unterhalb der Erdoberfläche. Fünf schwere PS-starke Schlepper brachten den Fund ans Tageslicht. Groß war die Überraschung, als noch ein zweiter Stein bei den Bergungsarbeiten ans Tageslicht befördert wurde. Da die beiden Fundstücke von der Größe und der Struktur zusammenpassen könnten, ist es möglich, dass sich in grauer Vorzeit das Ur-Gestein geteilt hat.

Einen Stein hat die Familie Tammen 1 Dannemann der Wiesedermeerer Bevölkerung aus Anlass der Erstbesiedlung kostenlos zur Verfügung gestellt. Dank gebührt auch dem Altbürgermeister Rolf Hinrichs, der für den Gründungsstein ein geschichtsträchtiges Stück Land ebenfalls kostenfrei angeboten hat. In Zukunft ruht der Naturstein auf dem ehemaligen Gelände eines früheren Schafstalles in dem Gebiet, in dem die ersten Siedler von Wiesedermeer ihre Existenz aufzubauen versuchten.

Mit dem Gründungsstein allein wollten sich jedoch nicht alle Dorfbewohner Wiesedermeers zufrieden geben. Im Mittelpunkt des Ortes, im Kreuzungsbereich der Landesstraßen 12 und 34, auf dem Privatgrundstück von Erich Kleihauer sollte nach den Plänen des Arbeitskreises ,,250-Jahre-Wiesedermeer" ein zweiter Gedenkstein errichtet werden, der die Einheit des ganzen Dorfes und besonders das Jubiläumsjahr dokumentieren soll. Diesen Jubiläumsstein stellte Landwirt Arend Kähler von seinem Grundstück in Groß-Wiesedermeer kostenlos zur Verfügung, den er bei Ausbaggerungsarbeiten entdeckt hatte.

100 Jahre "Frisch weg" Wiesdermeer

Der Gedenkstein zum 100jährigen Bestehen des Vereins Klootschießer und Boßelverein "Frisch weg" Wiesedermeer wurde gestiftet von der Familie Gellermann-Focken aus Wiesedermeer. Julia Stamm erstellte den Schriftzug, der dann von Alfred Hülts in Stein geschlagen wurde.