Der Beginn des Technikzeitalters

Um die Jahrhundertwende kam dann für die damalige Zeit ein großer Umschwung. Die Technisierung begann. Das erste war das Fahrrad. Jetzt brauchten die Einwohner nicht mehr ganz zu Fuß nach Reepsholt zur Kirche und zum Konfirmandenunterricht zu gehen, und sie konnten auch die Städte Aurich, Jever und den Flecken Wittmund schneller erreichen. Friedrich Gellermann, am Neuen Weg, hatte als Auslieferer der Firma Kleinsteuber aus Jever ein florierendes Geschäft mit Fahrrädern. Von der Firma Berger aus Wittmund war er Vertreter von Landmaschinen. Als erstes waren es Kornweher, welche das Korn vom Spreu trennten. Dann folgten Dreschmaschinen, Mähmaschinen sowie für die Hausfrauen die Nähmaschinen. Die Handarbeit wurde so schon sehr erleichtert, und der Fortschritt des 20. Jahrhunderts zog in unser Dorf ein.

Die Gemeinde hatte damals 38 Grundeigentümer, die zusammen eine Fläche von 472 ha hatten, so steht es im Protokoll einer Jagdversammlung beschrieben. Wer der Jagdpächter war, steht nicht geschrieben. Aus Erzählungen ist bekannt, daß so manches Rebhuhn oder mancher Hase heimlich erlegt wurde und dann unter Torf versteckt die Reise nach Wittmund oder Jever antrat.

Auf Grund der Errichtungsurkunde vom 25. Juni 1903 des Königlichen Landeskonsistoriums ist unter Abtrennung der Orte Wiesedermeer und Upschört von Reepsholt die Kirchengemeinde Marcardsmoor am 1. Juli 1903 gegründet worden. Etwas widerwillig fügten sich die Wiesedermeerer diesem Beschluß.

1907 beschloß die Gemeindevertretung einstimmig, zum Unterhalt der Schule Wiesedermeer, aus der politischen Gemeinde Wiesedermeer, einen Teil der Gemeinde Leerhafe (Rispelerhelmt) und einen Teil der Gemeinde Wiesede (Upschört), soweit diese Kolonie bislang der Schulgemeinde angehört hat, einen Gesamtschulverband zu bilden. Als Schulvorsteher für den Gesamtschulverband wurden zum 1. April 1908 als 1. Simon Janssen Habben und als 2. Lüke Behrends gewählt.

Nach dem Fortzug von nach Wilhelmshaven war die Schule kurze Zeit ohne Lehrer. Mitte der 90er Jahre kam dann Lehrer Friedrich Janssen aus Detern nach hier. Er übernahm die alte einklassige Schule. Zeitweilig mußte er über 110 Kinder unterrichten, denn die Kinder aus Rispelerhelmt und Upschört mußten alle nach hier zur Schule. Aus Mangel an Plätzen mußte der sogenannte Halbtagsunterricht eingeführt werden. Vormittags unterrichtete er die vier ältesten Jahrgänge und nachmittags die vier Jüngeren. Lehrer Janssen verheiratete sich mit Frau Behrends und blieb als 1. Lehrer an der später (1912) erbauten zweiklassigen Volksschule bis 1930. Er muß in seinen jungen Jahren ein sehr tüchtiger und fortschrittlicher Lehrer gewesen sein, denn 1908 wurde von der Gemeindeversammlung beschlossen, zu dem Unterhalt einer ländlichen Fortbildungsschule in Wiesedermeer an einigen Abenden in der Woche dem Lehrer einen jährlichen Beitrag von 20 Mark als Honorar zu zahlen und zu den Unterhaltskosten beizutragen. Ob er ab 1912 in der neuen zweiklassigen Schule allein unterrichtet hat, steht nirgends geschrieben.

Es war für die Wiesedermeerer schon ein großer Fortschritt, als sie kurz vor dem ersten Weltkrieg ihre Milch an die 1907 erbaute Friedeburger Molkerei liefern konnten. Endlich war das Eigenverbuttern der Milch zu Ende. Die Milchviehhaltung konnte gesteigert werden, denn die Milch brachte so einen besseren Erlös.